Männer*Palaver feiert Geburtstag

Seit 25 Jahren diskutieren hetero-, schwule und bisexuelle Männer* über das Mannsein. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Bild von Männlichkeit verändert, viele gesellschaftliche Vorstellungen, Zwänge und Tabus aber bleiben. Reflexion hilft, sich der eigenen Rolle klarzuwerden und sich auch zu befreien. Vor 25 Jahren war das noch neu.

Als Christopher Knoll 2001 mit seinen Kollegen* das Männer*-Palaver ins Leben rief, klemmte zwischen den Worten „Männer“ und „Palaver“ noch kein Sternchen. Es wird gesetzt, um auch die Menschen abzuholen, die ihr Mann*-Sein weniger strikt im Geschlechterspektrum zwischen „männlich“ und „weiblich“ verorten. Trotzdem war die Idee damals gewagt, erinnert sich der Psychologe und Therapeut. Christopher leitet im Schwul-Queeren Zentrum die psychosoziale Beratungsstelle.

Beratungsstelle Sub Christopher Knoll Copyright Mark Kamin
Christopher Knoll. Foto: Mark Kamin

„Damals haben sich Männer* nicht über Erfahrungen ausgetauscht, die sie betreffen und berühren“, sagt Christopher. „Das wollten wir ändern - und zwar den Männern* zuliebe.“

Zum Palaver kommen bis heute viele Männer* immer wieder

Zusammen mit den Kolleg*innen der Evangelischen Stadtakademie München und dem Münchner Informationszentrum für Männer (M.I.M.) setzte das Sub ein Konzept für eine Gruppe auf. Inspiriert war es von den Züricher Kolleg*innen der kritischen Männerarbeit, nach dem Männer* mit-, aber nicht übereinander reden sollten. Hierarchiefrei sollte die Gruppe ebenfalls sein. Stets würde ein Thema im Vordergrund stehen, das in der Runde ergründet wird, ohne Redeliste, aber in der Haltung von Achtsamkeit und Respekt, jenseits von Klischees. Und das eben unabhängig von sexueller Orientierung, geschlechtlicher Identität, Religion oder sozialem Status.

In dialogischer Form treffen Erfahrungen aus Biografie und Gesellschaft aufeinander. Vor drei Jahren wurde mit der Evangelischen Familienbildungsstätte Ely-Heuss-Knapp eine weitere Kooperationspartnerin gewonnen, die die Vielfalt und Breite des Angebots bereichert. Dergestalt ist das Männer*-Palaver im Münchner Kultur- und Sozialraum einzigartig.

„Man wird sich über vieles klar“, sagt Christopher. „Die Gruppe bietet den Teilnehmern* Orientierung und hilft bei der Selbstvergewisserung.“ Vermutlich sei das auch der Grund dafür, warum bis heute ein harter Kern der Männer* immer wieder komme.

Seit 25 Jahren widmet man(n) sich den unterschiedlichsten Sujets. Vergangenes Jahr etwa ging es um „Partnerschaft“, im Jahr davor waren es „Rollenerwartungen“. Gesprochen haben sie im Laufe der Zeit auch über Karriere, Freundschaft, Mütter, das sensible Thema „Männer und Gefühle“ und natürlich über Sexualität. Die Saison 2026 beschäftigt sich mit „Männer im Wandel“. Das Motto bietet Gelegenheit, auf die Entwicklungen der vergangenen Jahre zurückzublicken. Am 19. Januar geht es los.

Immer montags ab 19 Uhr wird in der Evangelischen Stadtakademie, Herzog-Wilhelm-Straße 24, diskutiert. Die Kosten je Abend belaufen sich auf 5 Euro. Nach Eigeneinschätzung kann aber auch weniger bezahlt werden.

Respekt und Empathie machen den Erfolg des Männer*-Palavers aus

„Die Gruppe ist sehr divers“, sagt Christopher. Zwischen 15 und 30 Leute kommen jedes Mal. „Darunter sind die unterschiedlichsten Typen von konservativ bis woke, die ganze Bandbreite.“ Streit aber gibt es nie. „Der Austausch von Mensch zu Mensch ist allen wichtig, deshalb begegnen sich die Teilnehmer* mit Respekt und Rücksicht.“

Auch vor 25 Jahren war das schon so, erinnert sich Christopher. Dass sich im Männer*-Palaver schwule wie heterosexuelle Männer* zum Gespräch trafen, war ein Zeichen dafür, wie sehr man überkommene Rollenbilder überwinden wollte. „Das waren Menschen, die ein anderes Bild von Männlichkeit nach außen tragen wollten“, so der Sub-Berater. Inzwischen hat sich die Gesellschaft mit ihnen verändert oder sie sie – wer weiß.

Das neue Männer*-Palaver umfasst sieben Sitzungen. Anmeldung hier

19.01.2026: Männer* im Wandel

25 Jahre Männer*-Palaver: Rück- und Ausblick auf Männer*-Rollen. Was hat sich getan, wo geht es vorwärts, wo verharrt es, wo geht’s sogar wieder rückwärts? Wer ist die Gesellschaft, die das beurteilt? Welche Werte liegen dem Männer*-Bild zugrunde, und was hat das dann mit mir zu tun?

26.01.2026 Mein früheres Ich

Jeder Mann* entwickelt sich im Laufe seines Lebens weiter. Was hat uns geprägt, welche Werte und Verhaltensweisen haben wir abgelegt, und wo sind wir uns treu geblieben? An diesem Abend reflektieren wir unsere eigene Entwicklung als Männer*.

02.02.2026 Freundschaften und Männer*-Bünde

Was verbindet Männer* wirklich? In einer Welt, in der Leistung oft mehr zählt als Echtheit und Nähe, geraten echte Freundschaften zwischen Männern* leicht ins Abseits. Dabei sind sie ein wertvoller Schatz – Orte der Verbundenheit, des Vertrauens und der gegenseitigen Unterstützung.

09.02.2026 Männer* und Gefühle

Das alte Thema: Angeblich haben Männer* keine Gefühle … Unsinn! Aber welche Gefühle sind denn männlich, zulässig und wem gegenüber werden wann welche Gefühle gezeigt? Es gibt eine breite Palette, wie wir Männer* damit umgehen. Hier können wir nochmal darauf schauen.

23.02.2026 Männer* und Arbeit

Wer bin ich – jenseits von Leistung? Arbeit ist für viele Männer* mehr als Broterwerb. Sie prägt Identität, Status, Selbstwert und Tagesstruktur. Aber was passiert, wenn Arbeit krank macht, wegfällt oder nicht (mehr) erfüllt? Wie verändert sich männliches Selbstbild im Ruhestand, in Teilzeit oder in Phasen der Erwerbslosigkeit?

02.03.2026 Männer* und Beziehung

Was bedeutet es heute, als Mann* in Beziehung zu sein? Beziehungen prägen unser Leben. Doch was macht sie verlässlich? Auch Beziehungen scheinen schnelllebiger zu werden. Ist die Langezeitbeziehung noch ein Ideal oder längst überkommen und einengend?

09.03.2026 Wie sieht Männlichkeit in 25 Jahren aus?

Zukunftsmann oder Auslaufmodell? Was, wenn Geschlecht fluider wird, Rollen sich weiter auflösen und der Begriff „Männlichkeit“ irgendwann überflüssig erscheint? Oder erleben wir eine neue Strenge, eine Rückbesinnung auf alte Ideale? Wir wagen einen Blick nach vorn – gesellschaftlich, politisch, persönlich.

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