Vom schwulen Wohnzimmer zum politischen Sprachrohr der LGBTIQ*-Community. Vor versammelter Presse haben wir heute das Jahr zu unserem 40. Jubiläum eröffnet.
An den Tag der Vereinsgründung kann sich Frank Ludwig nur noch vage erinnern, als er im Sub spricht; zu beschäftigt sei er die Wochen davor wohl mit der Erstellung der Satzung gewesen. Frank machte damals eine Ausbildung zum Rechtsreferendar; niemand sonst hätte so kompetent die Paragraphen für den geplanten schwulen Verein zusammenschreiben können.
Am 4. September 1986 war es dann soweit: Zwölf von 21 anwesenden Männern unterzeichneten das Papier, mit dem das Schwule Kommunikations- und Kulturzentrum München, kurz Sub, aus der Taufe gehoben werden sollte. Frank, damals 28 Jahre alt, war einer von ihnen. Er vermutet: „Ich muss an dem Tag sehr glücklich gewesen sein.“

Am Mittwoch haben wir im Rahmen einer Pressekonferenz das Jubiläumsjahr zum Vierzigjährigen eröffnet. Es sprachen: als Vertreter der Landeshauptstadt, Andreas Unterforsthuber, Leiter der Koordinierungsstelle zur Gleichstellung von LGBTIQ*, eben Dr. Frank Ludwig, Dr. Kai Kundrath, Geschäftsführer des Vereins, Sub-Vorstand Jörn Vogt und Leonie L. von der bayernweiten Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt, Strong!
Andreas würdigte das Jubiläum zu Beginn als: „eine bewegende und bewegte Geschichte“. Betrachte man den Zeitraum von 1986 bis 2026, sehe man, wie groß die Herausforderungen für ein schwules Zentrum waren und sind. „Begonnen hat das Sub mitten in der Zeit der so genannten Aids-Krise, einer Zeit von Tod und Sterben bei schwulen Männern, von massiver Diskriminierung und Ausgrenzung.“ Heute gelte es wieder, „sich den verschlechternden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für queere Menschen zu stellen“.
Die Landeshauptstadt München sei immer an der Seite des Sub und der queeren Community gestanden, so auch heute noch! „40 Jahre ist das Sub mit dabei, wenn es um die Gestaltung einer freiheitlichen, friedlichen und solidarischen Stadtgesellschaft geht. Dafür herzlichen Dank!“
40 Jahre Sub, das sind 40 Jahre Münchner Zeitgeschichte. Mit zahlreichen Veranstaltungen werden wir deshalb das ganze Jahr über unseren Geburtstag begehen. „Für uns ein Anlass, das Erreichte zu feiern, aber auch an die Herausforderungen zu erinnern, vor denen die Community heute noch oder vielleicht besser wieder steht“, sagt auch Sub-Geschäftsführer Kai. Denn die Motive, die in den 80er Jahren zur Entstehung des Sub führten, waren tatsächlich dieselben wie heute: Ausgrenzung, Diskriminierung und Gewalt.

Die Gründung des Sub fiel – wie bereits erwähnt - in die Zeit der „Aids-Krise“, als der damalige Staatssekretär im bayerischen Innenministerium, Peter Gauweiler, Zwangstests für HIV-Infizierte forderte. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Horst Seehofer wurde im Spiegel mit dem Plan zitiert, Infizierte in "speziellen Heimen" zu "konzentrieren".
In einer Zeit des Aufruhrs sollte das Sub den schwulen Männern Münchens und deren Organisationen erstmals eigene Räumlichkeiten bieten, einen Schutzraum, in dem man(n) sich ohne Konsumzwang treffen konnte. Auch schwule Kultur sollte es geben – als Zeichen der Selbstbehauptung. Und natürlich wollten die Gründer politisch aktiv werden. So war das Sub von Anfang an in die Organisation des CSD eingebunden, der in München seit 1980 stattfand.
Mit den eigenen Räumlichkeiten sollte es allerdings erst 1988 klappen, als das Sub in die Müllerstraße 44 ziehen konnte; dort wurden Räume der Münchner Aids-Hilfe frei. Bis dahin kamen die Gäste im Selbsthilfe-Zentrum in der Auenstraße 31 unter - und zwar im „Café Szenenrand“. Bis heute ist das Sub insgesamt dreimal umgezogen: 1990 in die Müllerstraße 38, 1994 in die Müllerstraße 43 und schließlich 2012 in die Müllerstraße 14.
1988 gründete der Verein mit von der Stadt genehmigten Zuschüssen ein erstes Zentrum, den „Sub, Infoladen für schwule Männer“. Das brachte den Aufschwung: Der Infoladen war täglich geöffnet; er bot Beratung, Information, Bibliothek, Archiv, eine Gruppe für schwule Väter, überhaupt Gruppen für jedes Alter und ein Café – ein bis dahin beispielloses Programm in der Münchner Szene. Im Kern besteht das Konzept bis heute.

Damals wurde der Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Sub gelegt. 1991 nahm die Stadt den Verein in die Regelförderung auf, 1995 wurde es als gemeinnützig anerkannt. Gleichzeitig bemühte sich der Verein, selbst auch Geld zu verdienen, so über Spenden, das hauseigene Café, die Mitgliedsbeiträge natürlich, den Rosenmontagsball, ab 1991 über das Hans-Sachs-Straßenfest, mit dem das Sub noch heute jedes Jahr seinen Geburtstag feiert, und in den Nuller Jahren der Magic Bar Tour durchs Szeneviertel. Damit war das Finanzielle geregelt.
Nach und nach professionalisierte sich das Sub. 1993 bekamen wir eine erste (halbe) Stelle für das Anti-Gewalt-Projekt genehmigt, 1995 kamen vom Land Mittel für die HIV-Prävention dazu, 1997 folgte die Beratungsstelle.
In den 2010er Jahren stieg das Sub in die Beratung queerer Geflüchteter ein. Seit 2012 gibt es Deutschkonversationskurse, 2013 wurde die Mildtätigkeit des Vereins in der Satzung verankert, 2015 lancierten Ehrenamtliche das Mentoring-Programm Refugees@Sub.
Nach und nach öffnete sich das Sub für die gesamte LGBTIQ*-Community. 2019 entstand aus dem Anti-Gewalt-Projekt mithilfe einer Förderung des Freistaats für ein bayernweites Hilfetelefon die LGBTIQ*-Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt, Strong!

2023 wurde die Männer*-Akademie, die die Beratungsstelle 2013 ins Leben gerufen hatte, um eine Queer-Akademie erweitert. Nicht zuletzt spiegelte sich auch im Namen wider, wie sehr sich das Sub verändert hatte. Aus dem Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum, wie der Verein bis heute offiziell heißt, wurde 2024 im Außenauftritt das Schwul-Queere Zentrum. Ihr erinnert euch.
Bis heute agiert das Sub bedarfsorientiert. Zuletzt kam 2021 eine Chemsex-Drogenberatung dazu.
Parallel stärkt das Sub seine Kulturarbeit. Mit dem Umzug 2012 in die Müllerstraße 14 war endlich auch Platz dafür. Das von der Landeshauptstadt angemietete Gebäude bietet auf 524 Quadratmetern Raum für Ausstellungen im Café, Bühnen-Events in den Gruppenräumen, eine Bibliothek und im Übrigen auch für die Beratungsstelle, die damals von der Pestalozzistraße 6 mit ins neue Zentrum ziehen konnte.
Heute beschäftigt das Sub mit seinen 461 Mitgliedern 16 Hauptamtliche, zuzüglich eines geringfügig Beschäftigten.

Als Safer Space der Community hat sich das Sub immer begriffen. In den Räumen des Vereins sind über die Jahre immer neue Selbsthilfe- und Freizeitgruppen entstanden: von Gay & Gray über die Brettspiel- bis zur Burnout-Gruppe. Aus einem Workshop ging im Jahr 2000 die LGBTIQ*-Jugendorganisation diversity München hervor, die seit 2007 ihr eigenes Zentrum führt.
Auch nach außen engagierte sich das Sub immer intensiver. Neben dem CSD organisiert der Verein seit 2014 die Demo zum Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Trans-feindlichkeit IDaHoBIT mit. 2019 trieb es eine Petition für sichere Unterkünfte queerer Geflüchteter voran, 2022 folgte eine solche für den queeren Aktionsplan, dessen erste Version die Staatsregierung der Öffentlichkeit inzwischen präsentiert hat.
Über die Zeit hat sich das Sub so von einem „Wohnzimmer“ der Schwulen zum politischen Akteur für die gesamte queere Szene entwickelt. Neben dem Community-Building ging es immer auch ums politische Lobbying für gleiche Rechte und Akzeptanz. Kai sagt: „Für die Community ist das Sub heute eines der wichtigsten Sprachrohre in München neben diversity München, LesCommunity und Münchner Aids-Hilfe, das queere Belange gegenüber Politik und Stadtgesellschaft vertritt. Diese Stimme brauchen wir auch.“ Alle Details zur Geschichte des Sub findet ihr hier
Bei alledem gilt: Ohne seine 180 Ehrenamtlichen wäre das Sub nicht das, was es ist. „Das ehrenamtliche Engagement ist eine der wesentlichen Stützen unserer Arbeit, ohne die etwa der Café-Betrieb, die vielen Kultur-, Beratungs-, Selbsthilfe- und Freizeitangebote nicht bestehen könnten“, sagt Sub-Vorstand Jörn.

Als Vorstand ist Jörn wie seine zwei Kollegen Markus Fischer und Marcel Wiesner selbst ehrenamtlich tätig. Bis heute steht er außerdem als Abendverantwortlicher bei zahlreichen Anlässen hinter der Theke im Sub, um den Café-Betrieb zu koordinieren. So kommt er mit den Menschen in Kontakt.
Wie wichtig das Ehrenamt für das Sub ist, beschreibt Jörn an eben diesem Beispiel. „Das Café im Sub hat 365 Tage im Jahr geöffnet und das ausschließlich, weil sich so viele Menschen ehrenamtlich einbringen. Dieses Modell ist in Deutschland einzigartig. Es ist Ausdruck einer starken, lebendigen Community. Gerade in Zeiten, in denen die gesellschaftlichen Debatten rauer werden, sind solche Schutzräume wichtiger denn je. Natürlich braucht ein Verein wie das Sub auch institutionelle Unterstützung, Fördermittel und politische Rückendeckung. Aber das Fundament unseres Erfolgs ist und bleibt die Community selbst.“
Safer Spaces wie das Sub werden also bis heute gebraucht! Denn trotz vieler Verbesserungen, was die Sichtbarkeit, die Akzeptanz queerer Menschen und deren Rechte angeht, stehen LGBTIQ* weiter unter Druck.
Das zeigen die jüngsten Zahlen der LGBTIQ* Fachstelle gegen Diskriminierung und Gewalt Strong! 2025 sind sie erneut gestiegen. Demnach wurden im vergangenen Jahr 413 Vorfälle erfasst – das sind 124 mehr als im Vorjahr und insgesamt 254 mehr als noch vor zwei Jahren. Die Vorfälle reichen von Alltagsdiskriminierungen über Beleidigungen, Bedrohungen und Benachteiligung bis hin zu sexueller Belästigung und schwerer Körperverletzung.
Zahlen der Staatsregierung bestätigen den Trend. Im März 2025 meldete Bayern auf eine Anfrage der Fraktion Die Grünen / Bündnis 90 im Landtag für das vergangene Jahr 177 angezeigte Straftaten; 2023 waren es 190.

Strong!-Beraterin und Psychologin Leonie L. sagt: „Das gesellschaftliche Klima gegenüber queeren Menschen ist aller Fortschritte der vergangenen Jahrzehnte zum Trotz aggressiver geworden. LGBTIQ*-Themen lösen viel Empörung aus, dies schlägt oft in verbale Angriffe und mitunter in körperliche Gewalt um. Gerade im digitalen Raum scheint es wenig Hemmungen zu geben. Das trifft insbesondere trans*, inter* und nicht-binäre Menschen.“
Vor diesem Hintergrund betont sie, wie wichtig für die Community eine funktionierende queere Infrastruktur sei mit spezialisierten Beratungsstellen wie Strong!, aber auch Zentren wie dem Sub mit seinen Beratungsangeboten. Außerdem brauche man entsprechend gesetzlichen Schutz vor LGBTIQ*-feindlicher Diskriminierung und Gewalt, sowohl im analogen wie digitalen Raum.
„Das Signal, das die Bundesregierung aussendet, indem sie den nationalen Aktionsplan aussetzt, ist fatal. Wir benötigen im Gegenteil einen Ausbau der Aktionspläne in Land und Bund, einen umfassenden Diskriminierungsschutz, eine konsequente Strafverfolgung von Hasskriminalität und dafür auch die entsprechenden Mittel.“
Als Frank Ludwig vor 40 Jahren seine Unterschrift unter die Satzung des neu zu gründenden Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrums setzte, konnte er nicht ahnen, was aus diesem Verein einmal werden würde. Natürlich sei er stolz auf das Sub, wie er auf der Pressekonferenz betonte.
Andererseits gab er sich angesichts der Entwicklungen auch ernüchtert: „Ich habe weiterhin Hochachtung vor Leuten, die Hand in Hand durch das Glockenbachviertel laufen. Sie werden noch immer allzu oft dafür angegangen. Es ist deprimierend zu sehen, dass wir kaum weitergekommen sind in den vergangenen 40 Jahren. Wir müssen weiterkämpfen.“
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