Olav: “Schwierig ist es, wenn ich länger kein Lebenszeichen erhalte”

6. September 2026

Wer Menschen nahe steht, die beim Sex Drogen konsumieren, erlebt sich häufig als co-abhängig. Eine neue Selbsthilfegruppe für Chemsex-Angehörige im Sub bietet Raum für Austausch. Das Angebot startet im Oktober. Wir konnten vorab mit zwei Betroffenen sprechen; das ist das Interview mit Olav.

Olav, worum geht es in deinem Fall?

Um einen guten Freund von mir, der viele Jahre schon Drogen beim Sex konsumiert und jetzt versucht, abstinent zu werden. Wobei er nicht der einzige meiner Freunde/Bekannten ist, der mit dem Thema kämpft.

Wie erlebst du die Situation deines Freundes aus deiner persönlichen Sicht?

Das Thema ist mit Tabus behaftet, und zwar auch in der queeren Community. Das macht es für Betroffene schwierig, darüber zu sprechen. Die Sucht geht auch oft mit weiteren Zuständen einher, etwa Depressionen, Zwangszuständen – das heißt Betroffene kämpfen auf mehreren Ebenen.

“Wir leben in großen Stadt mit guter Beratungs- und Behandlungsinfrastruktur. Aber natürlich muss der Betroffene sie auch aufsuchen, was mit nicht immer vorhandener Selbstmotivation verbunden ist.”

Wenn dann noch äußere Umstände wie etwas Arbeitslosigkeit hinzukommen, wird es wahnsinnig schwierig, in einen Alltag ohne Drogen zurückzufinden.

Schließlich ist psychologische und psychatrische Hilfe nicht einfach zu erhalten.

Wie bist du bisher damit umgegangen?

Zum Glück konnte ich auf Netzwerke zurückgreifen, die unterstützen, oft effektiver als ich selbst, weil sie Erfahrungen aus vielen Bereichen beisteuern können.

Selbsthilfegruppe Chemsex für Angehörige.
Selbsthilfegruppe Chemsex für Angehörige.

Wir leben in einer großen Stadt mit grundsätzlich guter Beratungs- und Behandlungsinfrastruktur, der Möglichkeit medizinischer Betreuung. Aber natürlich muss der Betroffene sie auch aufsuchen, was mit nicht immer vorhandener Selbstmotivation verbunden ist. 

Und die betroffenen Freunde haben bessere/ gute Phasen, es ist also auch kein Dauer-Ausnahmezustand.

Was hat das alles bei der betroffenen Person bewirkt?

Dass sie phasenweise selbst Hilfe gesucht und gefunden, längere Phasen des Wohlbefindens hat und auch über lange Strecken hin clean ist/war.

“Soll ich meinem Freund eher raten, sich von anderen Betroffenen fernzuhalten? Oder das Gegenteil, weil die gemeinsame Erfahrung motivieren kann, clean zu bleiben?

Wie geht es dir heute damit?

Meistens gut. Schwierig ist es, wenn weder ich noch andere über längere Zeit hin Lebenszeichen von dem Freund erhalten oder wenn depressive Phasen bei betroffenen Freunden so intensiv sind, dass sie selber kaum imstande sind, Hilfsangebote zu suchen und zu nutzen.

Warum denkst du, ein Angebot wie die Gruppe für Chemsex-Angehörige nutzen zu wollen?

Tatsächlich erhoffe ich mir einen besseren Überblick über konkrete Hilfs- und Beratungsangebote, innerhalb, aber vor allem auch außerhalb des Sub-Kontexts.

Und Erfahrungen mit so einfachen Fragen wie: Soll ich meinem Freund eher raten, sich von anderen Betroffenen fernzuhalten, oder das Gegenteil, weil die gemeinsame Erfahrung motivieren kann, clean zu bleiben?